...passiert im August 2008
30.08.2008, Nordpark-Stadion
VfL Borussia Mönchengladbach - SV Werder Bremen 3:2
Auswärtsspiel beim modernen Fußball in Mönchengladbach. Wird mir vermutlich jedeR zustimmen, dass gerade hier der Sprung von gammliger, traditioneller Stätte hin zur geleckten 08/15-Arena auf der grünen Wiese besonders groß war. Freilich könnten auch die Beispiele vom Rostocker Hansaviertel, aus Frankfurt-Niederrad oder München-Fröttmaning heran gezogen werden, aber speziell beim Weg zum Borussia-Park (immerhin konnte man in MG dem kommerziellen Namenstrend NOCH nicht gefolgt werden) wünsch ich mir doch eigentlich jedes Mal den Bökelberg her. Wie dem auch sei, die Szene reiste per Wochenend-Ticket auf den Rübenacker nach Rheydt, auch heute mit Unterstützung aus Graz. Im Gästeblock versuchten die verschiedenen Gruppen an unterschiedlichen Orten Stellung zu nehmen: Wanderers unten am Zaun, Infamous Youth und Ultra-Team am Vorsänger-Podest bzw. zentral im Block, Racaille Verte über einem Mundloch im oberen Drittel des Sektors. Versprach man sich eine Stimmungssteigerung und hatte ich zunächst auch das Gefühl, dass durch die Verteilung mehr als der gängige Mitmach-Mechanismus greifen würde, wurde mir später auch Gegenteiliges berichtet, was wohl hauptsächlich auf Koordinationsprobleme über die gesamte Reichweite des Gästeblocks zurück zu führen ist. Eine Verbesserung zum letzten, unterirdischen Auftritt in MG vor zwei Jahren aber allemal. Ein guter Fahneneinsatz über das gesamte Spiel mit bis zu fünf größeren Schwenkern gab einen ansprechenden, optischen Rahmen. Einziger Beigeschmack ist und bleibt die "Fahnen runter"-Opposition, vornehmlich bestehend aus pöbelnden Kutten, Brechbohnen und anderem faulen Gemüse. Mittlerweile werden schon Anti-Gesänge von eben jenen Menschen gegen das Fahnenschwenken angestimmt und Becher geworfen. Das diese unsägliche Art einige Ordnungsschellen nach sich ziehen müssen, versteht sich da von selbst. Vielleicht lernen es diese Leute einfach irgendwann mal und schalten ihre Premiere-Dekoder-Sichtweisen aus. Ich gebe die Hoffnung nicht auf!
Auf Heimseite reihte sich der Support in die verunglückte Choreographie des Fanprojekts zu Beginn des Spiels ein. Nach Auflösung der Ultras MG befinden sich einige neu gegründete Gruppen (eine führende Formation ist derzeit nicht auszumachen) nun im Oberrang, im so genannten "Block 1900". Dieser war auch durchweg gut in Bewegung, wenngleich ich nicht beurteilen kann inwiefern man von dort Einfluss auf den gesamten Unterrang haben kann. Nach eigener Aussage war es der beste Schritt unters Dach zu wechseln, Standortveränderungen machen ja seit geraumer Zeit Schule und bewirken ja oftmals sogar etwas.
Unsere Mannschaft ließ sich vom Aufstieger abschießen und tat bis kurz vor Schluss auch nichts, um dem entgegen zu wirken. Aufgrund zweier Tore von Pizarro und Diego erwachte der Block wieder für die letzten zwei Minuten, ein 3:3 sollte aber nicht mehr nach gereicht werden.
Anknüpfend an die Verhältnisse vor zwei Wochen in Bielefeld, ließen es sich die Bullen auch heute nicht nehmen, nach dem Spiel Fans, insbesondere aber wieder einmal die aktive Szene zu traktieren. Als Einwurf soll hier die Intimuntersuchungen bei Mädchen, die beschuldigt wurden Rauchbpulver in den Block geschmuggelt zu haben, vorerst reichen. Bei der Fahndung nach Opfern und Schuldigen wurden anschließend im leeren Block in CSI:MG-Manier minutenlang nach Blutlachen für DNA-Tests gesucht. Wenn der ganze Mist nicht so ernst wäre...
22.08.2008, Estádio da Mata Real
FC Paços de Ferreira - SC Braga 0:2
Wenig später also auch nochmal im Nachbarland zu einer Erstliga-Partie vorbei geschaut, Wahl fiel auf ein Match im Hinterland von Porto. Weg von einem der großen EM2004-Stadien, hin zur Trabantenstadt-Idylle! Zudem wollte ich die Leute von Braga nun doch mal auswärts sehen, nachdem sie beim UEFA-Cup-Auftritt in Bremen mit gerade mal 100 Leuten wahrlich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnten. Da Paços de Ferreira zwar eine Möbelkette neben der anderen beheimatet, nicht jedoch einen Bahnhof, gestaltet sich eine Anreise per Zug als kompliziert (von Porto mit der Bahn bis Santo Tirso, 30 Minuten für 9 Euro, danach nochmal 15 Minuten Busfahrt nach PdF), aber gemäß portugiesichem Sprichwort "Burro morto cevada ao rabo - Erst wenn der Esel tot ist, ist die Gerste für den Hintern" habt ihr erst dann verloren, wenn sich der Busfahrer überlegt hat, mal nicht nach Plan zu fahren. Der Esel lebte aber noch und so kam ich in das kleine Städtchen, in dem es außer einer Shopping-Mall nichts zu sehen gibt. Ums Stadion spielen Herren eine Partie Boule, andere Leute grillten ein komplettes Schwein und wieder andere deckten sich mit fettigen Hamburgern ein. Im Hintergrund stets die Polizei, die auch die Ankunft der Busse aus Braga beobachtete (Ticket + Bus für 13 Euro). Wer von euch regelmäßig "Blickfang Ultrà" liest, dürfte den Stichpunkt "16/2004" im Zusammenhang mit dem Report über Repressionen in Portugal gegenüber Ultras wohl kaum überlesen haben. Die Repressionsschiene von Seiten des Staates macht den Anhängern das Leben in Form von absurden und an die Zeiten von Diktator Salazar erinnernden Gesetzen (und somit nicht nur innerhalb des Stadions) so unerträglich, dass es den ankämpfenden Gruppen, die ob solcher Statuten gar um ihre Existenz bangen müssen, höchsten Respekt gebietet! Zu ihnen gehören auch die Red Boys 1992, die mit etwa 30 Nasen in den Gästeblock gepfercht wurden.
Das kleine Stadion zu knapp drei Vierteln voll, somit etwa 3.500 Zuschauer mit von der Partie, wobei ich doch besser die überdachte Haupttribüne zu 15 Euro wählte, die Sonne brannte nämlich gewaltig. Knapp 1.000 Gäste aus Braga auf der Hintertorseite und Haupttribüne. Von den 13 Braga-Zaunfahnen, stachen die der RED BOYS und die der BRACARA LEGION deutlich hervor, hinter beiden Lappen positionierte sich auch der aktive Teil der Gäste. Während bei RB92 drei größere Schwenkfahnen zum Einsatz kamen und auch etwas mehr gesungen wurde, schien mir die Bracara Legion rein vom optischen und dem Kleidungsstil her auch für die Kategorie C Sympathien zu hegen. Wo die sogenannten Roten Jungs auf der einen Seite, sind die "YELLOW BOYS 2001" auf der Heimseite nicht weit. Neben der Haupttribüne bemühten sich etwa 20 junge Ultras mit Schwenkern und Doppelhaltern optisch was her zu machen, von den Gesängen eigentlich ganz passabel, zumindest in der ersten Halbzeit wechselten meine Blicke öfter zwischen Heim- und Gästekurve. Bemerkenswert bei den Gelben, dass man sich selbst auf den Gruppenschals damit rühmt, die "Capital do Móvel" (zu deutsch: Möbelhauptstadt) zu sein. War die erste Hälfte spielerisch grottenschlecht, erledigte Braga im zweiten Durchgang den Aufsteiger mit zwei Toren. Auffallend waren die vielen Sympathiebekundungen inklusive kleinem Ösi-Banner für Bragas Stürmer Roland Linz. Naja, ich lehne solch Personenkult wie gewohnt ab ;-)
Nach dem Spiel allenthalben Ruhe und ich sah zu, dass ich Land gewann...
14.08.2008, Estadio Riazor
RCD Deportivo La Coruña - HNK Hajduk Split 0:0
Geschätzte 3.500 Kilometer westlich von Heraklion (dort gab es neben allerlei GATE 13-, 7- und 4-Graffitis eine von Verbandsseite routiniert wirkende Spielabsage des OFI Kreta zu konstatieren) entfernt fand ich mich infolge mehrerer Flugtransfers in der spanischen Küstenstadt A Coruña wieder. Fragt mich nicht wieso ich nun gerade hier gelandet war. Immerhin gab es an Ort und Stelle einen Europacup-Kick in Form der letzten UEFA-Cup-Qualifikationsrunde zu sehen und mit Hajduk Split sollten ja auch ein paar Gästefans in Galicien erwartet werden. Das Estadio Riazor befindet sich direkt am Strand der Ciudad. Vermutlich ist der ein oder andere Fan zuweilen hier schon direkt aus den Fluten des Atlantik mit Badeklamotten in das 34.000 Zuschauer fassende WM82er-Stadion gekommen. Ich hingegen blickte nur einmal von der langen Strandpromenade gen Küste, anstatt meinen Zeh ins kühle Nass zu halten und sah gleichzeitig, wie die für spanische Verhältnisse stark aufmarschierte Polizei den kroatischen Mob in den Gästeblock drängte. Die Kartenpreise waren heute unverschämt teuer: 15 bis 20 Euro hinter dem Tor, auf den Geraden gar 40 bis 55 Euro. Da erinnere ich mich aber doch an ein anderes Preisniveau, beim UI-Cup in Bilbao kostete vor drei Jahren der Entrada gegen CFR Cluj gerade mal 5 Eurones.
Von den 15.000 Zuschauern machten ca. 300 die Gästeschar im Oberrang aus. Die Torcida war mit der bekannten "1950"-Fahne sowie zig weiteren Sektionsbannern und nicht zuletzt einem gesangesmäßig gut aufgelegtem Kollektiv vertreten. Untermalt mit Trommel- und Klatschrhythmen wurde zumeist einfach, dafür aber beachtlich laut gesungen. Doppelhalter und Schwenkfahnen wurden zwar nicht präsentiert, sind ja auch nicht unbedingt prägnante Stilmittel in Dalmatien, dafür erleuchteten nach Einbruch der Dunkelheit immer wieder bengalische Feuer den Himmel. Dies schmeckte der Policia zwar überhaupt nicht, mehr als drei, vier Mal Knüppelschwingen mit anschließender Paroli der Torcida war aber auch nicht drin - da haben andere Szenen doch leider schon eine deutlich härtere Gangart der iberischen Staatsmacht zu spüren bekommen. Bei der wohl ältesten Fanorganisation Europas wider erwarten ein relativ junger Altersdurchschnitt, ich würde den Großteil der Gäste auf Anfang/Mitte 20 schätzen. Nach der Krise um die Jahrtausendwende rücken nun seit Jahren also vornehmlich auch junge Leute ins vordere Glied der Torcida. Ferner werden derzeit alle Anhänger von Hajduk mittels der Parole “Hajduk - dite puka” dazu aufgerufen, Mitglied im finanziell angeschlagenen Verein zu werden, um bei der anstehenden Umwandlung in eine AG eine größere Einflussnahme zu haben und weiterhin den Status eines so genannten "Volksvereins" inne zu haben.
Im Unterrang der gegenüberliegenden Tribüne wurde die Heimgruppe "RIAZOR 1987 BLUES" (die Freunde von Bukaneros Rayo Vallecano waren ebenfalls mit kleinem Banner präsent) ausgemacht. Ein etwa 30 bis 40 Leute umfassender Haufen probierte mit Fahnen und Gesängen hin und wieder auf sich aufmerksam zu machen, was ihnen aber eigentlich nur dann gelang, wenn der Hajduk-Pöbel mal für ein paar Sekunden aussetzte. Überdies wurde anhand der Bemalungen im Stadionumfeld eine antifaschistische Einstellung der hiesigen Fanszene ausgemacht. Auffallend waren auch türkische Flaggen, die zum Trotze der "Schmähungen" von gegnerische Fans (insbesondere die des Erzfeindes Celta de Vigo bezeichnen die Fans und Spieler der Blanquiazules merkwürdigerweise als "Os Turcos") wohl bereits Kultcharakter besitzen.
Auf dem Rasen konnte weder "SuperDepor" noch der kroatische Rekordmeister für Torgefahr sorgen, vor allem die Heimelf enttäuschte und muss im Rückspiel in Split doch mindestens eine Schippe drauflegen, so denn der UEFA-Cup erreicht werden will.
Nach kurzer Verweildauer brach ich dann auch in Richtung portugiesiches Grenzland auf und freute mich über einen, trotz des Ergebnisses unterhaltsamen, restlos gelungenen Abend.
02.08.2008, Stadion am Zoo
Wuppertaler SV - FC Bayern München II 2:2
Ganze neun Wochen ohne Fußball-Gedöns (diese zwei lächerlichen Testspiel-Ausflüge klammer ich mal galant aus) lagen hinter mir. Diese Zeit gestaltete ich absonderlich sommerlich und wahlweise versunken in einer Hängematte, in einem zwischen Bremen und NRW rollendem Regional-Express-Sitz und zeitweise in Träume von der Copacabana. Den Rufen Benes folgend begab ich mich nach Wuppertal. Sicherlich kein adäquater Ersatz für meine Zuckerhut-Sehnsüchte, aber so kam ich wenisgtens mal dazu die dortige Fanszene auf der neuen Hintertor-Tribüne zu beäugen. Der Bau der Gästettribüne scheint nun auch so gut wie vollendet und trotzdem ist das Stadion am Zoo allem Anschein nach so fertig gebaut wie der Turm zu Babylon. Aus München war zumindest ein Bus des Club Nr. 12 angerollt, hinzu kamen etwa 120 Umland-Batzis und 18 Zaunfahnen. Einen Supportkern bildeten letztendlich etwa 100 Rote, war aber nichts berauschendes. Wuppertal erwartet schwach, nur selten was zu sehen geschweige denn zu hören. Frage mich auch echt, wieso ich für "ZIGEUNER"-Rufe von solchen Hackfressen mir solche Begegnungen noch antue. Anschließend fand ich leider irgendwie niemanden, der mich mit nach Rio nahm. Kreta ist aber auch ganz nett...
Zu den Geschehnissen im Juli 2008