...passiert im Juli 2008
19.07.2008, Sportpark Dijckerhof (Reuver)
VVV Venlo - Maccabi Tel Aviv 2:2
Im Grunde genommen finde ich Phrasen wie "Früher war dies und jenes besser" nicht nur abgedroschen sondern schlichtweg unzutreffend. Auf die Teilnehmer der diesjährigen Loveparade bezogen, ist diese Aussage vielleicht nicht ganz so abwegig. Vor neun Jahren zuckte auch ich noch über die Straße des 17. Juni in Berlin. Hardcore Techno machte einen deutlich größeren Bestandteil der gespielten Musik aus, die Kommerzialisierung dieser Veranstaltung nahm gerade erst ihren Lauf und die politischen Aussagen verblichen in den Folgenjahren, trotz Demonstrationsstatus.
Um den nach Dortmund pilgernden Panikmassen, die Schweini-Trikot und Deutschland-Fahne nun gegen pinke Plüschjacke und Captain Future-Rüstung tauschten, zu entfliehen, setzte ich mich in einen Zug, der mich in die Niederlande fuhr. Dabei kam ich vor allem auf der halbstündigen Strecke zwischen Viersen und Venlo ein ums andere Mal ums Grinsen nicht drumrum. Quer durch die erste Klasse fläzten Jugendliche, die ihr Gras, Dope, Weed, Pott, Shit, Crack oder sonst was rauchten. Kontrolleure waren sowieso nicht auszumachen, alles schön chaotisch. In Venlo ausnahmsweise mal eine Fahrkarte für die Weiterfahrt gekauft, zuvor erkundete ich aber noch ein wenig die City, kaufte ein paar Klamotten und vertilgte lekker Fritjes. Nach weiteren zwanzig Minuten Zugfahrt erreichte ich Reuver, vom Bahnhof noch etwa zehn Minuten Fußweg bis zum Sportpark Dijckerhof, einem mit drei Stufen bebautem Sportplatz. Des Öfteren zeigten sich noch Regengüsse, die die Zuschauer ins Vereinsheim trieben. Letztendlich waren etwa 1.000 Zuschauer da, aus Israel konnte ich unter den Fans niemanden ausmachen. Maccabi, die in Gedenken an die getöteten, isralischen Soldaten Regev und Goldwasser mit Trauerflor spielten, gingen schon bald mit 2:0 in Führung, mussten im Verlauf des Spiels aber noch zwei Gegentore hinnehmen.
Ich verschwand kurz vor Abpfiff wieder Richtung Station und konnte beim Umstieg in Venlo ohne langes Warten auf die Bahn nach Düsseldorf aufspringen. Von einer gemütlichen Fahrt konnte allerdings keine Rede sein, denn kurz nach dem Überqueren der "Grenze" musste ich mich im Zug einer Leibesvisitation unterziehen. Ich stelle mir vor, ich müsste hier täglich lang (aus welchen Gründen auch immer) und mir jedes Mal von solchen BGS-Kiberer die Genitalien abtasten und die Socken auf Drogen checken lassen... Nach erfolgloser Suche verschwanden die Bullen wieder und bei mir war der Pegel in der internen "Abscheu-Skala" gegen solche Personen um einige Level angestiegen.
13.07.2008, Preußenstadion
SC Preußen Münster - Rangers FC 0:1
Es war eine alte Weisheit, die mir auf die Sprünge half. Nutze den Tag. Oder noch besser, die Nacht. Gesagt, getan! Und so sprang ich auf den fahrenden Zug, der mich noch spät abend ins fesche Münster brachte. Mit großem Bahnhof von Surf, Tuffi und Jani in persona in Empfang genommen, steuerten wir sogleich den nächsten 24h-Shop an, um dem Kaufrausch nachzukommen. Anschließend wurden in einer netten Behausung zeitgenössische Kunstwerke gebaut - letztendlich war das aber alles nicht mein Bier und so wurde zielsicher Butt's angesteuert und sich in abgammelnder Atmosphäre nieder gelassen, getreu der Losung: "Work is the curse of the drinking classes."
Doch still! Mich dünkt, ich wittre Morgenluft. Die Hoffnungen auf ein phänomenales Abschneiden bei "Anstoss 1" hatten allerdings schon bald ein jehes Ende gefunden. Im Prinzip war der Tag im Eimer: Um 15 Uhr in irgendeiner Studentenbude in Münster hockend und mit der Gewissheit, gleich zu Preußen gegen Rangers mitgeschleppt zu werden, half mir nur noch Oscar Wilde: Gib dem Leid Ausdruck und es wächst Dir ans Herz. Gib der Freude Ausdruck und sie versetzt dich in Taumel. Über 5.000 Leute, davon fast 400 Schotten rekelten sich bei strahlendem Sonnenschein auf den Rängen. Ein mal britischer Torjubel, ein paar schöne Spielzüge von links nach rechts und umgekehrt, aber danach kräht ja bekanntlich kein Hahn...
Auf dem Nachhauseweg wurde ein unplanmäßiger Halt gemacht, da der Schaffner mit Siebenmeilenstiefeln anrückte. Naja, ein hausgemachtes Problem... In einer wahren Furcht-Bar* am Dorfbahnhof in Buldern orderte ich eine Sprite, ehe ich reiß aus nahm und mit dem nächstbesten Zug gen Zivilisation gondelte.
*Zu dieser Kneipe ("Der nette Bomberg") gibt es hier eine nette Anekdote nachzulesen.
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